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Kategorie: Dokument
Am 13. Mai 2021 ist Peter Schnautz unerwartet im Alter von nur 64 Jahren verstorben. Peter Schnautz war Firmenmitbegründer und langjähriger Geschäftsführer der InoTec GmbH Organisationssysteme und eine prägende Persönlichkeit der deutschen und internationalen ECM- und DMS-Branche. Vor allem aber war Peter ein bemerkenswerter Mensch, der von vielen für seine Geradlinigkeit, seine Großzügigkeit und seine Herzlichkeit geschätzt wurde.
 

Peter Schnautz kannte wie kaum ein anderer den Markt der elektronischen Dokumentenverarbeitung. Schon früh widmete er sich der Mikrofilmtechnik, in der er direkt nach seinem Studium ein erstes berufliches Zuhause fand. Hier kam Peter in den 80er Jahren mit den ersten Scansystemen in Kontakt – die damals noch kaum mehr als umgebaute Mikrofilm-Maschinen waren und anfangs nur wenig Begeisterung auf dem Markt auslösten.

Innovator und Unternehmer

Peter aber erkannte das Potenzial einer eigenständigen Scanlösung. Zusammen mit seinen Mitstreitern Jürgen Kaus, Friedhelm Schmidt und Klaus Atzbach (†) gründete er 1992 in Wetzlar die InoTec GmbH Organisationssysteme und stellte kurze Zeit später den ersten Hochleistungsscanner vor: den SCAMAX 5000, eine zur damaligen Zeit technologische Weltneuheit, der noch viele weitere folgen sollten. So entwickelte Peter mit InoTec unter anderem den ersten Mid-Volume-Farbdokumenten-Scanner der Welt und brachte den weltweit ersten Dokumentenscanner mit integriertem Touchscreen-Bedienfeld auf den Markt. Weitere Innovationen waren die erste Upgrade-fähige Scannerserie, das weltweit schnellste Hybridsystem zum gleichzeitigen Scannen und Verfilmen von Dokumenten sowie der weltweit erste Produktionsscanner mit Netzwerk-Schnittstelle.

Vorausschauend und weitblickend agierte Peter aber nicht nur in der Technikentwicklung, sondern auch in der Unternehmensführung. Er unterhielt einen offenen und kritischen Dialog mit Management, Mitarbeitern und Vertriebspartnern, pflegte den persönlichen Kundenkontakt und scheute sich nie, kompetente Unterstützung einzuholen und anzunehmen, wann immer es nötig war. Getreu der Devise: "Nicht alles selbst gut, sondern vieles gemeinsam besser machen". So entwickelte Peter InoTec von einem Vier-Mann-Unternehmen zu einem mittelständischen Nischen-Weltmarktführer, und seine Scanner zu den mit leistungsstärksten und langlebigsten auf dem Markt.

Förderer der ECM- und DMS-Branche

Doch nicht nur in sein Unternehmen investierte Peter Zeit, Energie und Herzblut. Auch die Entwicklung der deutschen und internationalen DMS- und ECM-Branche trieb er mit großem Einsatz voran: als langjähriges Vorstandsmitglied, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Beiratsmitglied im Verband Optischer Informationssysteme e.V.; als ausdauernder Unterstützer und engagiertes Gremienmitglied der nationalen Branchenmessen DMS Expo und CeBIT in Hannover; und als erster deutscher Unternehmer, der mit seinem Unternehmen der TWAIN Working Group beitrat, einer internationalen Non-Profit-Organisation, die einen offenen Standard für das Dokumentenscannen fördert.

Bei alledem lebte Peter den Netzwerk-Gedanken. Er brachte Menschen zusammen, pflegte Beziehungen und legte so die Saat für zahlreiche fruchtbare Kooperationen und Geschäftsbeziehungen. Sein Ruf war dabei stets der eines zuverlässigen Geschäftspartners. Peter war ein Mann der klaren Worte, der seine Meinung auch dann vertrat, wenn er wusste, dass er damit an der ein oder anderen Stelle anecken würde. Sein Ziel war es nie zu gefallen, sondern Dinge in die richtigen Bahnen zu lenken, indem er unverblümt auf Chancen, Risiken oder Ungerechtigkeiten hinwies. Das machte ihn zu einem respektierten Meinungsführer der Branche. Vor allem aber zu einem allseits hochgeachteten Menschen.

Nachhaltig aus Überzeugung

Bereits seit seiner Unternehmensgründung verfolgte Peter ein Leitbild echter Nachhaltigkeit. Er war fest davon überzeugt, dass ökologisch und sozial bewusstes Wirtschaften und geschäftlicher Erfolg nicht nur Hand in Hand gehen können, sondern müssen. Ausschließlich in Deutschland zu produzieren, unter strengsten Umweltschutzbestimmungen und hohen sozialen Standards, war für ihn immer eine Selbstverständlichkeit und nicht verhandelbar. Er legte größten Wert darauf, Scanner so zu konstruieren, dass sie lange einsetzbar sind, wenig Energie verbrauchen und umweltgerecht entsorgt werden können. Und er übernahm Verantwortung: für sein Unternehmen und seine Mitarbeiter ebenso wie für Umwelt und Gesellschaft. Umwelt- und Arbeitsschutzvorschriften begriff er nie als Gängelung, sondern als Chance und moralische Verpflichtung. Er setzte sie konsequent um und wurde so zu einem Vorreiter des ökologischen und ökonomischen Wandels, lange bevor dieser als obligatorisches Schlagwort in Unternehmensselbstdarstellungen einging.

Geradlinig, großzügig, herzlich

Wen Peter Schnautz hinter seine mitunter auch mal raue Schale blicken ließ, der erkannte in ihm einen politisch und gesellschaftlich engagierten Menschen. Eine Persönlichkeit, die jederzeit bereit war, ihre Meinung pointiert zu äußern, sie zu vertreten und ihren Worten auch Taten folgen zu lassen. Und einen Mann mit einem großen Herzen und viel Empathie für die Menschen auf der Schattenseite des Lebens, der gerne gab und soziale Projekte und Einrichtungen unterstützte.

 

Johannes Boerboom, Max Schaber, Peter Schrittenlocher, Jürgen Kaus & Friedhelm Schmidt im Namen aller Mitarbeiter, Geschäftspartner & Geschäftsfreunde